In Polen…

11.06. '08

Das vierte Seminar des FSJ Kultur ist nun schon ein paar Tage vorbei. Diesmal waren wir in Breslau. Kurzer Abriss:

Die Fahrt war nervig, ab Bad Elster dauerte die Fahrt neun Stunden. Ab Görlitz wurde es aber interessant, der Zug war ein älterer mit Raucherabteilen und extrem quietschenden Bremsen. Aus dem Fenster sah man viel Baum und mäßig viel abgewrackte, hässliche Gebäude - allerdings garkeine Neuen.

Breslau bietet ein vollkommen anderes Bild. Hier haben sowohl neumodische Glasbauten sowie hochmoderne Straßenbahnen Einzug gehalten - ersetzen jedoch nicht die alten Gebäude oder die antiken Straßenbahnen, die teilweise zum Kartenentwerten noch statt Stempelautomaten nichtautomatische Locher installiert haben.

Somit erlebt man in dieser Stadt eine Koexistenz dieser beiden Gegensätze, was Breslau aber auch wahnsinnig interessant macht. Optisch was her macht nicht nur die Stadt, sondern auch deren Bewohner(innen). Man muss dicke Menschen wirklich mit der Lupe suchen, perfekt gebaute gibt es wie Sand am Meer - da bekommt man schon einen Schreck, wenn man in Dresden aus dem Zug aussteigt und angewidert versucht, eine deutsche Schulklasse aus seinem Blickfeld zu entfernen, was wegen der Fülle der Personen nicht so einfach ist.

Insgesamt wirkt die Stadt für mich wie Dresden vor etwa 15-18 Jahren, die alten Züge, Straßenbahnen und viele alte Gebäude weckten bei mir ebenso alte Erinnerungen.

An die DDR und die Stasi kann ich mich leider kaum erinnern und ich will hier auch keine Parallelen ziehen, dennoch fühlt man sich in dieser Stadt überwacht. Eine ungeheuerliche Polizeipräsenz, Securities in allen Ecken von Gebäuden und Kameras an jeder zweiten Hausecke lassen das Gefühl von Freiheit nicht wirklich aufkommen.

Ich würde sofort nach Breslau ziehen, der obige Fakt und die Tatsache, dass ich kein Wort Polnisch kann, vermiesen mir diese Idee aber bitter.

Zur Seminarwoche:

Das Hostel war ok, relativ zentral gelegen und in unmittelbarer Nähe zu zwei 24h-Shops. Frühstück gabs in einer benachbarten Bar, die das ziemlich minimalistisch arrangierte. Dienstag  bis Donnerstag gabs pro Person 2-4 Brote, ein Stück Butter, ein Plastenapf Honig und Marmelade, sowie zwei Scheiben Schinken. Freitag gabs mit einer Stunde Verspätung ein Obst-Brötchen pro Person und 4cl Kaffee als Entschädigung für die Wartezeit.

Das Seminar war entspannt, Stadt-Erkundung und einer von zwei Workshops waren das komplette Wochenprogramm.

Die Abendgestaltung in Breslau ist durch eine Fülle an Bars und gutgelegenen 24h-Shops nicht schwierig. Achtung: Niemals Kaffee-Bier kaufen oder trinken, es ist wiederwärtig. Das nebenstehende Harnas fand ich auch ziemlich wiederwärtig. Was will man auch von einem Bier erwarten, das mit Harn anfängt.

Café-Bier und Harnas

Nebenbei hätte ich gern das Vorurteil, In Polen würde gestohlen, entkräftet, jedoch wurde einem unserer Seminarteilnehmer das Handy geklaut.

2 Antworten zu “In Polen…”

  1. Paul Sagt:

    Ja, das hat mein Vater über Breslau auch erzählt. Eine sehr schicke Stadt, zumindest in der Innenstadt. Die hässlichen Plattenbauten sind ja relativ weit außerhalb, weshalb die auch kaum ein Tourist sieht. Die Autobahnanbindung soll übrigens noch aussehen wie zu Kriegszeiten und auch von Pferdewagen genutzt sein.

  2. madenwirt Sagt:

    Na dann bin ich ja heilfroh, dass wir mit dem Zug gefahren sind. Die haben auch noch die Fenster zum Runterschieben und Kopf rausstecken, das ist ja bei unseren neuen Zügen ziemlich schwierig geworden.

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